Münchner Merkur                                                                                 SPORT                                                                      Montag, 2. März 2015

Seite 34

SKI NORDISCH

Als München eine Skisprungstadt war

 

Am Denninger Anger standen einmal zwei Sprungschanzen – doch die großen Pläne ihrer Erbauer waren schnell Geschichte

In den beiden vergangenen Wochen hat Severin Freund München ziemlich nachdrücklich auf die Landkarte der Skispringer zurückgebracht. Der gebürtige

Niederbayer, der seit knapp sieben

Jahren in der Landeshauptstadt zu

Hause ist, räumte bei der am Sonntag zu

Ende gegangenen Weltmeisterschaft in Falun/Schweden reichlich Edelmetall ab.

In der Tat gab es aber auch schon Zeiten, in denen nicht nur einzelne Protagonisten sondern auch die Sportart selbst in den Stadtgrenzen zuhause war. Wenn sie auch schon ein Weilchen zurückliegen: Im Winter 1924/25 erlebte München das bislang prominenteste skispringerische Großprojekt. Dank der gerade gegründeten Vereinigung zur Förderung des sportlichen Skilaufs in

München (VFS), die im Stadtteil

Bogenhausen – etwa dort, wo heute der Schreberweg verläuft – zwei Schanzen am Rand einer Kiesgrube errichten ließ. Immerhin 23 Meter ragte die größere der beiden Anlagen auf. Was auch exakt der größten Weite entspricht, die letztlich registriert wurde. Eingesprungen von einem Norweger namens Aasland.

Die Idee stammte vom Unternehmer Hans Roth, die Pläne der Holzkonstruktion stammten aus der Feder des SkisportPioniers Carl Luther, der unter anderem auch an der Planung der Schanzen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen beteiligt war. Dem Journalisten soll auch der Premierensprung auf der Anlage vorbehalten gewesen sein.

Und die Neuerung wurde in der Stadt auch bestens angenommen. Als am 13. März 1925 das erste Springen in einer mitteleuropäischen Stadt stieg, sollen wahre Zuschauermassen an die Schanze im Denninger Anger gepilgert sein, die das Infanterie-Regiment 19 in die passende Form gebracht hatte. Lokalmedien berichten von einem Verkehrschaos und niedergetrampelten Absperrzäunen.

Und die Bilder wiederholten sich nur eine Woche später noch einmal. Als die Anlage ein noch größeres Spektakel erlebte. Nicht genug, dass in Karl Neuner ein Ausnahmesportler der Region triumphierte. Gemeinsam mit seinem Bruder Martin begeisterte die Sportlegende des SC Partenkirchen – nach den beiden ist heute auch der Platz vor der Garmisch-Partenkirchener Olympiaschanze benannt – die Zuschauermassen mit einem Doppelsprung.

Trotz dieser verheißungsvollen Anfänge wurde allerdings nichts aus den Visionen der Macher um Carl Luther, München zu einer dauerhaften Skisprungstadt zu machen. Die beiden Wettbewerbe sollten die einzigen auf den Anlagen bleiben, die Schanzen waren schon bald wieder Geschichte. Patrick Reichelt City-Skispringen der ersten Stunde: Die beiden Wettbewerbe im März 1925 wurden von der Münchner Bevölkerung begeistert angenommen (Bild links). Für Spektakel sorgten die Partenkirchener Brüder Karl und Martin Neuner mit einem kühnen Doppelsprung (Bild rechts, aus einem späteren Wettbewerb in Kochel). Foto: Nordostkultur-München/ SC Partenkirchen

 

Bildunterschrift:

City-Skispringen der ersten Stunde: Die beiden Wettbewerbe im März 1925 wurden von der Münchner Bevölkerung begeistert angenommen

(Bild links). Für Spektakel sorgten die

Partenkirchener Brüder Karl und

Martin Neuner mit einem kühnen Doppelsprung (Bild rechts, aus einem späteren Wettbewerb in Kochel). Foto: Nordostkultur-München/SC

Partenkirchenpatrick.reichelt


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